Deutscher Gewerkschaftsbund

20.05.2014

Friedensforscher zu Gast beim DGB in Karlsruhe

100 Jahre Erster Weltkrieg – Nichts gelernt: Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Wolfram Wette

100 Jahre 1. Weltkrieg

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Der Beginn des 1. Weltkriegs jährt sich 2014 zum 100. Mal. Anlässlich dieses traurigen Jubiläums luden der DGB Stadtverband Karlsruhe, das Friedensbündnis Karlsruhe, Gegen Vergessen für Demokratie e.V. und die DFG-VK Karlsruhe den bekannten Freiburger Friedensforscher Prof. Dr. Wolfram Wette zu einer Veranstaltung ins DGB Haus.

Der Erste Weltkrieg veränderte schlagartig das Leben von Millionen von Menschen in Europa und der gesamten Welt. Im Juli 1914 begann das „Zeitalter der Extreme“ mit industrialisiertem Krieg, Granatenhagel, Bombenangriffen, Millionen von Toten und Verwundeten.

Mit klaren Worten skizzierte Prof. Wette die komplizierte Welt um 1914, die „auch ganz andere Optionen bereit hielt“ als einen Weltkrieg. In Deutschland standen starke militaristische Verbände einer schwächeren bürgerlichen Friedensbewegung gegenüber; international wurden in den Haager Konventionen Regeln für die Kriegsführung vereinbart, der europäische Imperialismus dagegen stand auf seinem Höhepunkt. Der Traum von Frieden stand der Versuchung der Macht gegenüber, wie es der Historiker Fritz Stern ausdrückte.

Eine „Urkatastrophe“ jedenfalls sei der Weltkrieg nicht gewesen. Katastrophe suggeriere eine Abwesenheit von menschlichem Handeln, einem unvermeidlichem Naturereignis ähnlich. Den Beteiligten auf Seiten von Reichsführung, Militär, aber auch sozialistischer Opposition, sei , so Wette, der Ausmaß eines kommenden Krieges deutlich bewusst gewesen. Für die deutschen Militärs sei eine Welt ohne Krieg weder realistisch noch wünschenswert gewesen. Deutschland zeigte einen Willen zum Krieg – Frieden war die „am wenigsten günstigste Option“. Die Strategie der deutschen Militärs bestand darin, die eigenen Kriegsabsichten zu verschleiern.

Den Versuch des australischen Historiker Christopher Clarke, den Beginn des 1. Weltkriegs als ein schlafwandlerischen Hineinschlittern in der Krieg bezeichnete Wette als irreführend. Es gab kein solches Glatteis. Seit der Fischer-Kontroverse gibt es sichere Belege für die deutsche Kriegsschuld. Dass eine solche revisionistische These in einem Gedenkjahr massiv unterstützt wird sei kein Zufall.

In der Diskussion konstatierte Wette durchaus Parallelen in der Kriegsmetaphorik von damals mit den Schlafwandelthesen von heute (Stichwort Ukraine). Die häufigen historischen Vergleiche nannte er „Versuche verspätetetes publizistisches Kapital zu schlagen.“ Könne man in Spannungszeiten grundsätzlich nichts mehr glauben, was medial gesagt wird? Welche bellizistischen Hintergründe treiben manche Meinungseliten. Fest stehe: in Deutschland ist die große Mehrheit der Bevölkerung gegen Krieg, und die deutsche Gesellschaft mittlerweile weit entfernt von einer Militarisierung im Ausmaß des preußisch dominierten Deutschen Reichs von 1914.


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