Deutscher Gewerkschaftsbund

30.06.2014

DGB Karlsruhe empfiehlt: Theaterstück über ersten Giftgaseinsatz "Vergiftete Liebe" im Jubez

Clara Immerwahr-Haber und Fritz Haber- Ehepaar zwischen Krieg und Moral

Ehepaar zwischen Krieg und Moral

Ulrike Kinbach und Konrad Haller als Chemiker-Ehepaar in „Vergiftete Liebe“.
theater odos

Am 2. Juli veranstaltet der DGB Stadtverband in Kooperation mit dem Friedensbündnis u.a. im jubez einen Theaterabend über die „Vergiftete Liebe“ zwischen Fritz Haber und Clara Immerwahr.

Eine Frau schießt sich eine Kugel in die Brust. Ihr Mann nimmt der Toten die Pistole aus der Hand, steckt sie in seinen Halfter und reist noch am gleichen Tag an die Front.  Das zynische Verhalten Fritz Habers schockiert noch heute. Denn der Chemiker hatte nur wenige Tage zuvor, am 22. April 1915, für das Deutsche Reich den ersten Einsatz von Giftgas angeleitet. Seine Frau Clara wollte mit einem Massenmörder als Gatte nicht weiterleben und begeht am 2. Mai mit der Waffe Habers Selbstmord.

In „Vergiftete Liebe“ erzählt das theater odos aus Münster die tragische Geschichte des Ehepaars Haber. Es ist ein Stück über den Ersten Weltkrieg, über Liebe und letztlich auch über Ethik in der Wissenschaft. Clara und Fritz stehen seit dem Ausbruch des Krieges 1914 auf unterschiedlichen Seiten. Der karrierebewusste Patriot Haber setzt sich für die Ziele des Kaisers ein. Clara verabscheut das Morden.

An den Habers kann man sehr gut die konträren Stimmungen im deutschen Volk während des Ersten Weltkriegs festmachen: Kriegsgeilheit auf der einen, Pazifismus auf der anderen Seite. Auf der Bühne waren die beiden Schauspieler Ulrike Kinbach und Konrad Haller als Clara und Fritz zu sehen. Clara ist eine starke Frau gewesen, die gegen gesellschaftliche Konventionen aufbegehrt hat und die größte Kritikerin ihres Mannes war.

Haber träumte von einer großen Karriere, von Annerkennung und hohen Positionen. Doch wegen seiner jüdischen Abstammung blieben ihm die letzten Türen stets verschlossen. 1915 stagnierte die Westfront, da sich deutsche und französische Soldaten in ihren Schützengräben mit konventionellen Waffen nicht erreichen konnten. Die Lösung lautete Giftgas, und Haber wusste wie. Er organisierte den ersten Einsatz einer chemischen Massenvernichtungswaffe. Für ihn stand das Wohl des Vaterlandes über allem.

Lange hat Clara versucht, ihren Mann zur Vernunft zu bringen. Ohne Erfolg. Eines Abends, als ihr Mann schlief, ging sie in den Garten und erschoss sich. Das Theaterstück „Vergiftete Liebe“ zeigt die Auseinandersetzung des Ehepaars sowie die Karriere Habers, der auf der Liste der Kriegsverbrecher stand und gleichzeitig den Chemie-Nobelpreis erhielt. Am Ende seines Lebens flüchtet er aus Deutschland vor dem aufkeimenden Nationalsozialismus und sieht sich von seiner toten Frau mit seinen Taten konfrontiert.


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