Deutscher Gewerkschaftsbund

25.02.2019

Woche für Demokratie und Toleranz 2019 Rückblick

Antisemitismus – eine Woche lang Schwerpunktthema in Sinsheim

Die Woche für Demokratie und Toleranz in Sinsheim stand in diesem Jahr unter dem Thema „Antisemitismus“. In Presse und Öffentlichkeit ist das Thema momentan europaweit an der Tagesordnung. Auch in Sinsheim sollte nun einmal besonders in den Blick genommen werden, warum die Thematik derzeit eine solche Renaissance erfährt.

Kinosaal

DGB

Die Aktionswoche startete mit einem Fortbildungsangebot der GEW für Fachkräfte zum Thema „Antisemitismus – eine Herausforderung an Schulen“. Zwölf Teilnehmer ließen sich von Oliver Fassing von der Bildungsstätte Anne Frank über die unterschiedlichen Erscheinungsformen und Motivationen für Antisemitismus in Kenntnis setzen. Dabei wurde deutlich, dass dieser sowohl religiös (und zwar gleichermaßen christlich wie auch islamisch) als auch politisch motiviert sein kann und manchmal vielleicht auch „nur“ ein provokatives Verhalten in der Jugendphase dahinter steht. Der zweite Teil des Seminars beschäftigte sich mit Umgangs- und Interventionsformen. Dabei wurde klar aufgezeigt, dass es grundsätzlich immer darauf ankommt zu reagieren und die antisemitischen Handlungen zu stoppen.

Am zweiten Tag war der Film „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ im Citydome zu sehen. Herr Vogel vom Cinema Paradiso e.V. begrüßte die Zuschauer und teilte mit, dass es bis dato noch nie so viele Kooperationspartner bei einer Filmvorführung gegeben habe. Der Historiker Guilhem Zumbaum-Tomasi führte thematisch in den umstrittenen Film ein und leitete auch sachkundig die anschließende Diskussion. Dabei wurden durchaus kontroverse Meinungen geäußert und die Frage, ob dieser Film ein geeignetes Präventionsmedium darstellt, musste letztlich offen bleiben. Aus den Wortbeiträgen konnte jedoch klar entnommen werden, dass die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus mit Nachdruck betrieben werden muss. Diese Form der politischen Bildung, zum Beispiel durch den Besuch von Gedenkstätten, erscheint umso wichtiger, da über diese Epoche bald keine Zeitzeugen mehr befragt werden können. Das Interesse am Film war jedenfalls riesig - das Kino 2 war mit 170 Plätzen restlos ausverkauft!

Vortrag zum Thema Antismitismus

DGB

Der abschließende Vortragsabend mit der Fachreferentin Carmen Shamsianpur zum Thema „Antisemitismus im Islam?“ fand in Kooperation mit der Volkshochschule Sinsheim statt. Die Islamwissenschaftlerin informierte die 30 Zuhörer darüber, dass es auch in islamischen Ländern sehr unterschiedliche Zustimmungswerte für antisemitische Haltungen gibt. Dabei wurde deutlich, dass verschiedene Erklärungen dafür vorliegen, wo die Ursprünge des Antisemitismus in der arabischen Welt liegen. Der Nahostkonflikt ist dabei ein wichtiger Faktor, aber die Wurzeln gehen historisch betrachtet viel weiter zurück. Gleichzeitig wird der Judenhass als eine Form von Rassismus in vielen Ländern politisch instrumentalisiert, um eine Radikalisierung der Bevölkerung zu bewirken.

Der eigentliche Kern der Aktionswoche bestand in den Schülervorführungen des Films „Zahor – Erinnere dich!“. Dabei handelt es sich um einen jugendgerechten Kurzfilm über die Geschichte der Hoffenheimer Juden Menachem und Fred. „Zahor“ wurde von der Organisation Centropa produziert, einem Verein, der sich der Erforschung und Dokumentation jüdischen Lebens in Europa widmet.

Alle 9. Klassen der Kraichgau Realschule sowie die Klassen 9 und 10 der Theodor-Heuss-Schule sahen sich den Film an und diskutierten anschließend über die Inhalte. Der Film hinterließ eine eindrückliche Wirkung bei den Jugendlichen: „Wie konnten die Menschen damals so etwas zulassen?“ „Ich kenne die Plätze, die im Film gezeigt werden. Dass so etwas hier bei uns passieren konnte!?“ „Wie gut wir es doch heute haben im Vergleich zu früher!“ In den Gesprächen wurde deutlich, dass die Demokratie als unsere heutige Staatsform eben keine Selbstverständlichkeit ist. Alle Bürger sind gefragt, sich dafür einzusetzen, dass die Rechte und Freiheiten unserer Zeit auch in Zukunft Bestand haben. Dabei wurde erkennbar, dass beispielsweise die Inanspruchnahme des Wahlrechts ein ganz einfaches Mittel darstellt, mit dem jeder Bürger, auch viele der Schüler, einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung unserer Demokratie leisten kann.   

 

Die Veranstaltungen im Laufe der Aktionswoche erreichten rund 220 Erwachsene und 180 Jugendliche an den Schulen. Somit konnten der DGB und das städtische Kinder- und Jugendreferat als Veranstalter, zusammen mit allen Kooperationspartnern, auch 2019 wieder einen wichtigen Impuls für Demokratie und Toleranz in Sinsheim geben.


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