Deutscher Gewerkschaftsbund

20.02.2020

Heimat und Identität

Woche für Demokratie und Toleranz 2020 in Sinsheim

Welche Bedeutung hat die Heimat für unsere persönliche Identitätsentwicklung? Gibt es auch negative Erfahrungen mit der Heimat? Welche populistischen und extremistischen Organisationen missbrauchen den Heimatbegriff, um ihre Ideologien zu vermitteln? Wie kann man das erkennen und was kann man dem entgegensetzen?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt der diesjährigen Woche für Demokratie und Toleranz, die von 10.-14.Februar stattfand. Auch diese Aktionswoche wurde in bewährter Art und Weise vom DGB und dem städtischen Kinder- und Jugendreferat organisiert und von zahlreichen weiteren Partnern unterstützt. Dabei waren auch das Fanprojekt Hoffenheim der AWO sowie das Sinsheimer Bündnis für Toleranz.

Bereits zum Eröffnungsabend waren rund 50 Teilnehmer ins Jugendhaus gekommen, darunter zwei Landtagsabgeordnete und mehrere Sinsheimer Stadträte, um sich nach den Grußworten des DGB-Kreisvorsitzenden Mirko Geiger und von OB Jörg Albrecht über „rechtsextreme Heimat- und Identitätskonstruktionen“ zu informieren. Die Referentin Corinna Hillebrand-Brem vom Landesamt für Verfassungsschutz zeigte auf, wie beispielsweise die „Identitäre Bewegung“ unter dem irreführenden Begriff des „Ethnopluralismus“ versucht, Heimat als Ausgrenzungsbegriff zu platzieren: Man fühlt sich in seiner Identität bedroht, deshalb sind Andere zwar grundsätzlich zu akzeptieren, aber eben nicht „bei uns“.

Referent vor Publikum

DGB

Das Fachkräfteseminar in der Kraichgau Realschule knüpfte nahtlos an diese Thematik an: Unter der Überschrift „Gesellschaft unter Strom“ zeigte der Referent des Demokratiezentrums Baden-Württemberg auf, was unter Radikalisierung zu verstehen ist. Anhand von Propagandavideos konnten die Teilnehmer analysieren, mit welchen Methoden radikale Gruppierungen versuchen, ihren Nachwuchs zu gewinnen. Dabei wurde auch vermittelt, dass solche Radikalisierungsprozesse sich immer über einen längeren Zeitraum erstrecken, und somit durch präventive Maßnahmen und vor allem auch auf der Beziehungsebene gewisse Einflussmöglichkeiten bestehen.

Über 160 Besucher sahen am Mittwoch den Film „Kleine Germanen“ im Citydome. In einer gelungenen Mischung aus Dokumentar- und Animationsfilm konnte man sich in die Perspektive eines Kindes hineindenken, das in einem demokratiefeindlichen und rechtsextremen Umfeld aufwächst. Es wurde deutlich, dass es sich hierbei um eine Form von mentalem Missbrauch handelt. Ein Ausstieg aus dieser Umgebung stellt Betroffene vor große Herausforderungen. Im Anschluss an die beiden Vorstellungen stand der Regisseur Frank Geiger für Fragen zur Verfügung und konnte noch einige Insiderinformationen über die Erstellung des Filmes zum Besten geben. Die Vorführungen fanden in Kooperation mit Cinema Paradiso statt.

Kinosaal mit Redner und Publikum

DGB

Zum Abschluss der Themenwoche gab der Neonazi-Aussteiger Christian E. Weißgerber einen persönlichen Einblick in seine Vergangenheit – ein Abend, der in Zusammenarbeit mit dem Bündnis für Toleranz organisiert wurde. 40 Zuhörer sorgten am vergangenen Donnerstag für volle Ränge in der Buchhandlung Doll. Sehr reflektiert berichtete Weißgerber über die Beweggründe, warum er sich in der rechtsextremen Szene engagierte. Dies konnte er mit Textstellen aus seinem Buch „Mein Vaterland! Warum ich ein Nazi war“ veranschaulichen. Dabei stellte er klar, dass es aus seiner Sicht kein „Abrutschen“ in den Radikalismus gebe, sondern dass dies eine bewusste Entscheidung jedes Einzelnen sei. Im Anschluss an den engagierten Vortrag nahm sich der Thüringer Autor noch Zeit, um Fragen aus dem Publikum zu beantworten.

Christian E. Weißgerber liest aus seinem Buch „Mein Vaterland! Warum ich ein Nazi war“

DGB

Ein weiterer Schwerpunkt der Woche für Demokratie und Toleranz lag in den Workshops zum Film „Zahor – Erinnere dich!“, die im Lauf der Woche mit insgesamt 20 Schulklassen stattgefunden haben.

Auch in diesem Jahr war die Themenwoche eine Bereicherung. Es ist gelungen, einen besonderen Akzent auf die Heimattage zu legen, indem der Heimatbegriff auch unter kritischen Aspekten beleuchtet wurde. Im Lauf der Woche konnten über 660 Menschen mit den verschiedenen Veranstaltungen erreicht werden.


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