Deutscher Gewerkschaftsbund

16.03.2016
"Wochen gegen Rassismus" in Karlsruhe gestartet

DGB in Karlsruhe: "Integration in Ausbildung"

Integration

dgb

Karlsruhe steht – wie ganz Baden-Württemberg – vor der Herausforderung, eine große Zahl an Asylsuchenden und Geflüchteten zu integrieren. Die meisten Geflüchteten sind zwischen 18 und 34 Jahre alt und kommen damit grundsätzlich für eine Ausbildung oder ein Studium in Frage. Der beruflichen Ausbildung kommt für die Integration junger Geflüchteter in die Gesellschaft eine Schlüsselstellung zu. Im Rahmen der Karlsruher Wochen gegen Rassismus lud die DGB Region Nordbaden am 15.03.2016 zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „Integration in Ausbildung“ ein. SWR Journalist Winnie Bartsch diskutierte das Thema vor einem Fachpublikum mit Annette Hanfstein (Geschäftsführerin Operativ der Arbeitsagen-tur Karlsruhe-Rastatt), Peter Minrath (IHK Fachbereich Aus- und Weiterbildung), Klaus Nägele (ver.di Mittel-baden-Nordschwarzwald Fachbereich Gesundheit) und Daniel Wunsch (GEW Personalrat, Lehrer in VABO Klassen).

In der Diskussion wurde deutlich, dass Sprache der Schlüssel zur gelungenen Integration in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt ist. Allerdings liegt die Verantwortung im Bereich Sprachkurse nicht bei der Agentur für Arbeit (BA), sondern beim Bundesamt für Migration und Flucht (BAMF). Die heutigen, hohen Anforderungen in praktischer Ausbildung und Berufsschule, so eine These aus dem Publikum, ließen sich allerdings schwer mit dem in Integrationsklassen erwerbbarem Sprachniveau B1 erfüllen. Die GEW schlägt in diesem Zusammenhang vor, dass die Berufsausbildung bereits in den Vorbereitungsklassen (VABO) beginnt – auch um den jungen Menschen eine längerfristige Perspektive zu bieten.

Anette Hanfstein und Peter Minrath berichteten von zahlreichen Integrations-Projekten großer Unternehmen, aber auch von einer grundsätzlichen Bereitschaft des Mittelstandes, Geflüchtete in Ausbildung und Arbeit zu integrieren. Ziel der IHK ist es im Moment, diejenigen Betriebe zu unterstützen, die aus eigenem Antrieb Interesse zeigen. Die Arbeitsagentur, so Annette Hanfstein, bietet viele Instrumente an, die Geflüchtete gezielt unterstützen – z.b. die Einstiegsqualifizierung (EQ),
ausbildungsbegleitende Hilfen, oder die assistierte Ausbildung.

Integration bedeutet aber auch die Vermittlung von Lebensweltkompetenzen, so z.B. "was muss ich beim Abschluss von Verträgen beachten? Welche Besonderheiten hat die deutsche Arbeitswelt? Was können Gewerkschaften für mich tun?" so Daniel Wunsch, der selbst 15 Jahre lang Drucker ausgebildet hat. Ver.di bietet zur Vernetzung und Austausch von Kolleg/innen mit Migrationsgeschichte z.B. eine eigene Migrations-Fachgruppe.

In der Diskussion wurden vielversprechende Instrumente und Konzepte deutlich, allerdings auch viele Baustellen offenbar. Tenor der Veranstaltung aber ist: wenn der Wille und die Ressourcen da sind, ist Integration durchaus zu schaffen.


 


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