Deutscher Gewerkschaftsbund

25.07.2018

Treffen mit Philippinischen Gewerkschaftern

Gesprächsteilnehmer

v. l. n. r.: Stella Matutina, Dieter Schweitzer, Boyen Baleva, Udo Merzinsky, Lars Treusch Udo Merzinsky

Treffen mit philippinischen Gewerkschaftern in Mannheim

Am Montagmittag traf sich DGB-Regionsgeschäftsführer Lars Treusch mit zwei philippinischen Aktivisten für Menschen- und Arbeitnehmerrechte, sowie Gewerkschaftskollegen aus dem Deutsch-Philippinischen Freundschaftsverein. In dem ca. zweieinhalb Stunden dauernden Gespräch berichteten Boyen Baleva und Stella Matutina zunächst von der aktuellen Situation in ihrem Land nach der bisher zwei Jahre andauernden Präsidentschaft Rodrigo Dutertes‘, gerade auch aus Sicht von Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmern.

Zentrale Probleme – und hier lassen sich klare Parallelen zu Deutschland ziehen – sind beispielsweise die zunehmende Verbreitung von Leiharbeit, die den Beschäftigten geringere Löhne und weniger Rechte bringt, sowie der Kampf für einen Mindestlohn, der in Deutschland bereits erreicht werden konnte, jedoch noch immer auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.

Auch die Situation von Minen- und Plantagenarbeitern auf der im Süden gelegenen, zweitgrößten Insel der Philippinen, Mindanao, wo seit Mai 2017 das Kriegsrecht gilt, wurde in dem Gespräch beleuchtet. Sie sind bei Ihrer Arbeit teilweise lebensgefährlichen Chemikalien ausgesetzt und arbeiten für Hungerlöhne. Gleichzeitig hinterlassen die zumeist internationalen Konzerne riesige Abfallberge, eine katastrophal zerstörte Umwelt und entziehen so der indigenen Bevölkerung die Lebensgrundlage.

Trotz – oder gerade wegen all dieser Probleme – konnten die Gesprächspartner auch berichten, dass die Arbeiterbewegung auf den Philippinen wächst und ihre Rechte zunehmend stärker einfordert. Noch gelingt es der Regierung Duterte, nicht zuletzt mit Einschüchterung und politischer Verfolgung, die Situation unter Kontrolle zu halten. Auch die beiden Gesprächspartner Baleva und Matutina sind in ihrer Heimat ihres Lebens nicht mehr sicher und leben deshalb im Exil.

Aufgrund der politischen Situation auf den Philippinen verlassen täglich rund 5000 oft gut ausgebildete Menschen den Inselstaat. Sie suchen Arbeit, um ihre Familien zu ernähren und Schutz, auch vor dem Krieg gegen den Drogenhandel, den der Präsident ausgerufen hat und der zwischenzeitlich mehrere 1000 Menschenleben (Schätzungen belaufen sich 15-20.000 Tote) gefordert hat und durch den die Menschenrechtslage zunehmend schwierig wird.

Um eine Bilanz der bisherigen Amtszeit Dutertes zu ziehen wird es vom 17. bis 20. September 2018 in Brüssel ein internationales Volkstribunal geben. Dieses wird von der Internationalen Koalition für Menschenrechte auf den Philippinen durchgeführt und soll auf die desolate Lage vieler Menschen, die sich für Frieden und eine gute Regierungsführung im Land engagieren aufmerksam machen.

Die internationale Solidarität in Wort und Tat, insbesondere der Gewerkschaften ist herausgefordert.


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