Deutscher Gewerkschaftsbund

02.11.2015

DGB Karlsruhe am KIT: "Zukunft der Arbeit- Industrie 4.0"

Zukunft der Arbeit Dieter Bürk

dgb

Vierzig Betriebs- und Personalräte kamen am 30. Oktober am Campus des KIT in Karlsruhe zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema Industrie 4.0 zusammen, die vom DGB Stadtverband Karlsruhe in Kooperation mit der IG Metall Verwaltungsstelle Karlsruhe organisiert wurde. Essentielle Zukunftsfragen standen im Zentrum der Veranstaltung: Was verbirgt sich konkret hinter dem Schlagwort „Industrie 4.0“? Welche Forschung leistet das KIT in diesem Bereich und wie arbeitet das KIT mit Industriebetrieben der Technologieregion zusammen? Welche Herausforderungen beinhalten Digitalisierungsprozesse für die Arbeitnehmer/innen, betriebliche Mitbestimmung und die Gewerkschaften generell? Werden Arbeitnehmer/innen in Zukunft nur Handlanger von autonomen Maschinen? Wie nutzen wir den vorhanden Gestaltungsspielraum?

Wolfgang Eppler, Personalratsvorsitzender am KIT, stellte Forschungsbereiche des KIT vor, die sich – auch aufgrund von Anforderungen aus der Industrie – direkt mit dem Thema Industrie 4.0 beschäftigen. Energie, Mobilität und Information heißen die strategischen Schwerpunkte der Forschung am KIT. Vor allem in letzterem Bereich sei Industrie 4.0 anzusiedeln, obwohl der Begriff nicht immer verwendet werde. So befassen sich z.B. das wbk Institut für Produktionstechnik https://www.wbk.kit.edu/, das Institut für Telematik http://telematics.tm.kit.edu/, das Institut für Pervasive Computing Systems http://pcs.tm.kit.edu/ oder das Institut für Technikfolgenabschätzung https://www.itas.kit.edu/ mit verschiedenen Facetten des Themas.

„Everything Computing“, der Computer durchdränge verstärkt alle Lebensbereiche des Menschen – diese Zukunftsvision präsentierte Prof. Dr. Michael Beigl, Leiter des Lehrstuhls für Pervasive Computing Systems und Leiter der TECO Forschungsgruppe. Anhand von bereits existierenden Beispielen wie der intelligenten und vernetzten Schraube, vernetzten Computersystemen in der industriellen Produktion, oder auch Wearables (am Körper getragene Messgeräte) zur Stressmessung verdeutlichte er, inwiefern Industrie 4.0 bereits zur Realität wird. Vier Trends, so Beigl, würden in Zukunft unsere Arbeitswelt bestimmen: 1) das Internet der Dinge, 2) Big Data Analyse, 3) der Computer als Kollege, 4) gesteigerte Anforderungen an Wissen und Kompetenzen der Arbeitnehmer/innen. In Karlsruhe stellt sich für ihn die Herausforderung, die neu entstehenden Aufgaben in der Region zu halten und Fachkräfte zu gewinnen. Beigl betonte die Chancen, die z.B. Crowdworking von Experten für unseren Arbeitsalltag hätten.

Dr. Linda Nierling, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Technikfolgenabschätzung beleuchtete im Anschluss Fragen aus dem Forschungsbereich Technik und Arbeit aus soziologischer Perspektive. Vermeintliche Innovationen wie automatische Systeme, fahrerlose Fahrzeuge, mobile Kommunikationsschnittstellen oder 3D-Druck, so Nierling, müssen genauer auf ihre Auswirkungen auf die menschliche Arbeitswelt untersucht werden: wie gelingt die technische Umsetzung? wie wird der Datenschutz sichergestellt? ist Industrie 4.0 standardisierbar? Auch seien mögliche Beschäftigungseffekte schwer vorhersehbar. Ob einfache Arbeit in Zukunft wegfalle oder sich neue Formen von Einfacharbeit entwickelten, das sei noch nicht sicher.  Gewerkschaften, so Nierling, stünden vor der großen Herausforderung arbeitszentrierte Technikgestaltung mit den Arbeitgebern kontextspezifisch zu gestalten. Die Themen Datenschutz/Überwachung, Richtlinien zwischen Mensch und Maschine, Digitaler Feierabend, Arbeits- und Gesundheitsschutz oder die Flexibilisierung von Arbeit können durch die Gewerkschaften und betriebliche Mitbestimmung zu Gunsten der Beschäftigten beeinflusst werden.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass Industrie 4.0 in vielen Betrieben z.B. im Organisationsbereich der IG Metall bereits konkret spürbar ist. Skepsis zeigte sich bei vielen Betriebsräten beim Thema „der Computer als Kollege“. Einig waren sich Teilnehmer/innen und Referent/innen, dass Studium und Ausbildung nicht nur an aktuellen Trends festgemacht werden dürfen, sondern Grundlagen für kompetentes berufliches Handeln gelegt werden müssen.

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