Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 001 - 07.07.2016

DGB zur Situation am Ausbildungsmarkt

DGB zur Situation am Ausbildungsmarkt und Sprachangeboten für Geflüchtete: Noch über 2500 Jugendliche in der Rhein-Neckar-Region auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz

 
Jugendberufsagenturen für Mannheim, Heidelberg und den Rhein-Neckar-Kreis einrichten
Ca. 20 % der Geflüchteten ohne Sprachunterricht in beruflichen Schulen

 

Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Baden-Württemberg verleiht angesichts der Situation am Ausbildungsmarkt und der Perspektiven für Geflüchtete seiner Forderung nach der Einrichtung von Jugendberufsagenturen Nachdruck.

„Der Rhein-Neckar-Kreis mit dem Schulstandort Weinheim und auch die Stadt Mannheim sind ja durch ihr Engagement als Modellregionen im neuen Übergangssystem Schule-Beruf schon in einer Vorreiterposition. Wir halten die Einrichtung von Jugendberufsagenturen für eine sinnvolle Weiterentwicklung, um alle jungen Menschen schnell und erfolgreich in Ausbildung zu bringen.“, so Miriam Walkowiak von der DGB-Regionsgeschäftsstelle Mannheim. Die Vielzahl der Angebote, Projekte und Initiativen zur Verbesserung des Übergangs zwischen Schule und Beruf könne über das regionale Übergangsmanagement schon jetzt in den Modellregionen gut koordiniert werden. Darüber hinaus könne die rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit von Kommunen und Agentur durch die Einrichtung einer Jugendberufsagentur zudem noch einmal deutlich verbessert werden.

Derzeit sind nach Zahlen der zuständigen Agenturen für Arbeit Mannheim und Heidelberg noch 2555 Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, davon 1448 im Rhein-Neckar-Kreis (MA: 851, HD: 256).

„Die regionale Wirtschaft muss weiter alle Anstrengungen unternehmen sämtliche Ausbildungskapazitäten ausschöpfen“, so Walkowiak.

„Neben der Versorgung der bereits hier lebenden Jugendlichen ist die Integration junger Geflüchteter in Ausbildung eine große Herausforderung. Diese ist nur mit vereinten Kräften zu schultern“, sagte die Gewerkschaftssekretärin weiter. Daher sollten auch die Ausländerbehörden und Migrationsfachdienste in das regionale Übergangsmanagement und die zu gründende Jugendberufsagentur einbezogen werden. Dies sei im Übrigen im landesweiten Bündnis für Ausbildung vereinbart. „Sinnvoll wäre auch eine Koordinierung mit den Angeboten des BAMF (Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge)“, betonte Walkowiak.

Spätestens 2017 sei durch die große Zahl von jungen Geflüchteten mit einem weiteren Anstieg der Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt zu rechnen. Voraussetzung dafür sei jedoch ein erfolgreicher Spracherwerb. Miriam Walkowiak weiß: „Derzeit können die beruflichen Schulen die Versorgung im Vorqualifizierungsjahr Arbeit/ Beruf ohne Deutschkenntnisse (VABO) nicht garantieren. Von den schulpflichtigen Schülerinnen und Schülern zwischen 16 und 18 Jahren sind um die 20% unversorgt. Zählt man die Jugendlichen bis 21 Jahren dazu, steigt der Anteil der nicht versorgten Jugendlichen zum Teil deutlich, wie z.B. in der Stadt Heidelberg auf 30,1 Prozent.“

Damit steht die Rhein-Neckar-Region im Landesschnitt noch relativ gut da. Sorgen macht den Gewerkschaften aber, dass die Zahlen in den kommenden Jahren eher ansteigen werden. Im Landesdurchschnitt betrage der Anteil der unversorgten schulpflichtigen Jugendlichen 24,9 Prozent, bei den Jugendlichen bis zum 21. Lebensjahr 39,5 Prozent.

Der DGB fordert das Land auf, neben zusätzlichen Lehrkräften auch Sozialpädagogen und Traumatologen einzustellen, um die erfolgreiche Integration junger Menschen in Ausbildung und Arbeit zu sichern und ihnen bei der Bewältigung der Fluchterfahrung zu helfen. Die Gewerkschaften sind überzeugt, dass die gesellschaftliche Integration nur mit einem schnellen Spracherwerb und den Zugang zu Bildung gelingen kann.

 

 

Hintergrundinformation:

 

Jugendberufsagentur:

In allen Stadt- und Landkreisen wurden seit 2015 Arbeitsbündnisses Jugend und Beruf von Kommunen und Agenturen für Arbeit eingerichtet, die nach Auffassung des DGB zu Jugendberufsagenturen weiterentwickelt werden sollten. D.h. gemeinsame Einrichtung von Kommune, Schulen, Agentur für Arbeit und Jobcenter, um allen Jugendlichen ein rechtskreisübergreifendes Beratungsangebot (SGB II, III, VIII) aus einer Hand anbieten zu können. Bislang gibt es in Baden-Württemberg nur eine entsprechende Einrichtung im Stadtkreis Freiburg.

 

Vorbereitungsjahr Arbeit und Beruf (VABO) und Vorbereitungsklassen (VKL):

Geflüchtete Kinder und Jugendliche unter 16 Jahre werden in Vorbereitungsklassen an allgemein bildenden Schulen (VKL) unterrichtet, bevor sie in Regelklassen übergehen.

Schülerinnen und Schüler ab dem 16. Lebensjahr werden pauschal in Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf an beruflichen Schulen (VABO) unterrichtet. Schwerpunkt ist auch hier der Erwerb der deutschen Sprache.

 

 

Anteil unversorgter VABO-Schüler (Stand 22.06.2016):

 

 

Anteil unversorgter Schüler bis 18 Jahre

Anteil unversorgter Schüler bis 18 Jahre

Heidelberg

22,7 %

30,1 %

Mannheim

19 %

22,3 %

Rhein-Neckar-Kreis

14,6 %

20,7 %

 

Die regionalen Zahlen zu den übrigen Stadt- und Landkreisen in der Region Nordbaden erhalten Sie auf Nachfrage in den DGB Regionsgeschäftsstellen.

 


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